Waldwärts-Rhein-Wied in den Gemeinden

Die Ortsbürgermeister der Gemeinden in der Region Rhein-Wied wurden im Herbst und Winter 2020 von Waldwärts-Rhein-Wied angeschrieben und über das Projekt informiert. Die Zusammenarbeit zu Veranstaltungen in einzelnen Ortsgemeinden beginnt. Im Herbst 2021 sollen die ersten Veranstaltungen für interessierte Waldbesitzende und Nicht-Waldbesitzende stattfinden. Waldwärts-Rhein-Wied informiert hier über die vielfältigen Möglichkeiten der Waldbewirtschaftung, die zum jeweiligen Wald und zu den jeweiligen Zielen passen.

Workshop zur Gemeinsamen Bewirtschaftung in Bruchhausen am 14. August 2021

Zu dem Workshop wurden die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer des Buchenbestandes „Am Nonnenfeld“ eingeladen, um eine gemeinsame Waldbewirtschaftung vorzustellen und zu diskutieren. In der Ausgabe 34/2021 des Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Linz erschien folgender Artikel zu der Veranstaltung.

In den Altbuchen geht es nur gemeinsam

Den Originalartikel lesen Sie hier.

Am vergangenen Samstag trafen sich in der Gemarkung Erpel rund 20 Privatwaldbesitzende aus der Region. Zu der Veranstaltung hatte das Leader-Projekt Waldwärts-Rhein-Wied der drei Verbandsgemeinden Linz, Bad Hönningen und Unkel eingeladen. Grußworte sprach der Bürgermeister der Ortsgemeinde Bruchhausen, Markus Fischer, die selbst Eigentümerin von Waldparzellen in der Gemarkung ist. Diskutiert wurden die Möglichkeiten zu einer gemeinsamen Waldbewirtschaftung besonders klein parzellierter Flächen. Dass es hier besser gemeinschaftlich geht, demonstrierte Marlène Zehfuß von der Firma UNIQUE am Beispiel des Buchenbestands „Am Nonnenfeld“ auf der Gemarkung Erpel. Diese Flächen sind seit Jahren größtenteils nicht mehr bewirtschaftet. Die Bestände sind bis über 30 Meter hoch, die Bäume stehen beieinander und sind nicht einfach zu durchforsten. Hinzu kommt die Kleinparzellierung der Fläche: Durchschnittlich sind die Flurstücke im Bestand weit unter 1000 Quadratmeter groß und oft nur wenige Meter breit. Manche Flurstücke haben wenige oder keine Bäume. Auf anderen ist es unmöglich, beim Fällen den Baum nur auf dem eigenen Flurstück auf den Boden zu bringen.

Hier wurde die Möglichkeit einer Durchforstung vorgestellt. Ziel es ist, Altbäume zu entnehmen, um Licht auf den Boden zu bringen. Das regt die natürliche Verjüngung des Bestandes an. Privatwaldbetreuer Steinebach vom Forstamt Dierdorf erläuterte, wie wichtig es ist, auf diese Verjüngungsmethode zu setzen. Denn der jetzige Wald ist aus Stockausschlag entstanden und die Stammbasis besitzt oftmals Faulstellen. Für eine Verjüngungsmaßnahme müssen jedoch viele Eigentümer einer gemeinsamen Durchforstungsmaßnahme zustimmen. Nur so kann die Erreichbarkeit der Flächen für die Holzrückung ermöglicht werden. Durch den Verkauf der Bäume werden die Erntekosten gedeckt und es bleibt ein kleiner Überschuss, rechnet Försterin Zehfuß vor. Die Eigentümer können sich Holz für den eigenen Kamin aus diesem Schlag sichern.

Zweiter Exkursionspunkt war ein Eichenbestand am Steilhang. Dieser Wald besitzt eine außerordentlich wichtige Funktion als Bodenschutzwald. Durch die Wurzeln wird der Boden befestigt, die Überschirmung durch die Kronen bremst den Aufprall des Regen ab. Der Bestand weist bereits viele umgestürzte Bäume auf. Hohe Wilddichte verhindert eine Naturverjüngung. Da im Zuge des Klimawandels mit vermehrten Starkregenereignissen gerechnet werden muss, wäre eine Stabilisierung und Verjüngung des Bestandes gerade in dieser Steilhanglage extrem wichtig. Damit verbessert sich nachhaltig auch die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens, wie Privatwaldbetreuer Steinebach erläutert. Ökonomisch könnte zwar etwas Holz bei einer Pflegemaßnahme geerntet und als Brennholz verkauft werden. Allerdings wären die Erntekosten am Hang teuer. Ein Vorschlag von Försterin Zehfuß ist, einen möglichen Überschuss an einigen Stellen in die Pflanzung von klimaangepassten, mediterranen Baumarten zu investieren. Da diese Waldfläche zudem weniger kleinparzelliert ist, wäre eine Pflegemaßnahe leichter zu organisieren. Zumal die Ortsgemeinde Bruchhausen auch Eigentümerin eines Teils der Fläche ist. Der anwesende Ortsbürgermeister Markus Fischer findet die Idee positiv und will eine Beteiligung mit dem Ortsgemeinderat diskutieren.

Am Ende der Veranstaltung zeigten sich die anwesenden Waldbesitzenden an den Maßnahmen sehr interessiert. In einem nächsten Schritt werden weitere Eigentümer ausfindig gemacht. Bislang konnten nicht alle Adressen recherchiert oder Waldbesitzer ausfindig gemacht werden. Eine erfolgreiche Durchforstungsmaßnahme wäre auch ein ermutigendes Signal für die gestartete Initiative „Waldbaugemeinschaft Marienberg“. Diese stellte Egon Roos, Vertreter des Kreiswaldbauvereins Neuwied, den Teilnehmern vor. Innerhalb des Kreiswaldbauvereins will diese Initiative in Zukunft dringende Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen organisieren. Denn, darin waren sich alle Teilnehmer der Veranstaltung am Ende einig, auch der Wald in der Region nimmt eine Schlüsselrolle im Klimawandel ein.