Forstbetriebsgemeinschaften – Information und Hilfe

Forstbetriebsgemeinschaften – gemeinsam sind wir stark
Forstbetriebsgemeinschaften (kurz: FBG) sind Zusammenschlüsse von Waldbesitzenden. Die Nachteile kleinteiliger Besitzstrukturen sollen durch gemeinsame Informationen, Bewirtschaftung oder gemeinsamen Holzverkauf überwunden werden. Durch Erbteilung und Waldverkauf sind aus ehemals größeren und gut zu bewirtschaftenden Waldflächen zunehmend kleine und parzellierte entstanden. Im Bundeswaldgesetz sind Forstbetriebsgemeinschaften als staatlich anerkannte Organisationen aufgeführt. Viele Aktivitäten einer FBG sind förderfähig.

Der Kreiswaldbauverein Neuwied
In der Projektregion Waldwärts-Rhein-Wied gibt es den Kreiswaldbauverein Neuwied. Der Verein umfaßt ca. 390 Mitglieder; davon verfügen ca. 300 Mitglieder über weniger als 5 ha Wald. Der Kreiswaldbauverein bietet seinen Mitgliedern Informationen, organisiert Lehrfahrten und führt Schulungen durch.
Waldwärts-Rhein-Wied wurde vom Kreiswaldbauverein ganz wesentlich mit initiiert. Das Projekt und der Kreiswaldbauverein arbeiten eng zusammen. Der Kreiswaldbauverein will künftig seine Aktivitäten noch stärker an den Bedürfnissen der Waldbesitzenden ausrichten.
Der Kreiswaldbauverein arbeitet eng mit dem örtlichen Forstamt Dierdorf zusammen.

Die FBGen in Rheinland-Pfalz – Kreiswaldbauvereine
In Rheinland-Pfalz ist der Waldbesitz oftmals in Kreiswaldbauvereinen organisiert. Diese FBGen orientieren sich an den alten Kreisgrenzen in Rheinland-Pfalz, daher der Name Kreiswaldbauverein. Die FBGen in Rheinland-Pfalz haben im Waldbesitzerverband Rheinland-Pfalz eine gemeinsame Verbandsorganisation. Das Dach aller Waldbesitzerverbände in Deutschland bildet die Arbeitsgemeinschaft deutsche Waldbesitzerverbände, kurz „AGDW – Die Waldeigentümer“.

NACHGEFRAGT:
Was macht denn der Kreiswaldbauverein Neuwied?

Vielen Dank Frau Born-Siebicke, dass Sie sich Zeit genommen haben für dieses Interview. Können Sie sich kurz vorstellen, etwas zu Ihrer Person sagen und welche Rolle Sie im Kreiswaldbauverein haben?

Ich bin auf dem Haanhof in Unkel groß geworden. Das ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, in dem der Wald schon immer eine besondere Rolle gespielt hat und auch eine besondere Zuwendung erhalten hat. Auch wenn wir flächenmäßig eigentlich ein Kleinprivatwald sind. Die Waldflächen haben wir aber entwickelt und mittlerweile haben wir circa 10 Hektar.  Anknüpfend an meine familiäre Geschichte haben wir auch einen zweiten Forstbetrieb in Thüringen aufgebaut.

Ich bin auch seit 35 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Für ein paar Jahre war ich auch im Landtag aktiv. Zeitgleich bin ich aber auch seit 35 Jahren Mitglied und Vorstandsmitglied im Kreiswaldbauverein Neuwied. Und davon bin ich seit 13 Jahren die Vorsitzende.

Sie haben den Kreiswaldbauverein gerade schon erwähnt, welche Rolle hat der Kreiswaldbauverein im LEADER-Projekt?

Wir betrachten das mit sehr großem Engagement und großer Aufmerksamkeit, gerade weil es für unsere Mitglieder sehr wichtig ist. Nämlich für die vielen kleinen und mittleren Privatwaldbesitzer nochmal die Bindung an ihren Wald zu fördern, dort Verantwortung zu übernehmen, aber auch zu gestalten und ihn einzubringen in die Diskussion vor Ort.

Konkret verstehen wir uns im Projekt auch als Partner und Mittler, weil gerade das Klientel, also die Mitglieder, die bei uns im Vorstand aktiv sind oder auch aktiv an den Veranstaltungen teilnehmen, auch die sind, die in dem LEADER-Projekt als Kommunikator und auch motivierend vor Ort wirken können. Sie können auch ihren Waldbesitz mit einbringen in die Betrachtungsweise für Leute, die erst wieder an ihren Waldbesitz herangeführt werden müssen. So kann man als Beispiel und als Motivator fungieren und zeigen: „Schau, der macht das. Der Wald wird bewirtschaftet und auf die eine oder andere Art geführt, das könntest du doch auch mit deinem Wald machen.“

Welche Rolle spielt dann der Kreiswaldbauverein oder ein anderer Forstwirtschaftlicher Zusammenschluss generell für den Privatwaldbesitzer? Warum ist es wichtig, dass man sich organisiert als Privatwaldbesitzer?

Da hat jeder Waldbauverein in seinen Aufgaben eine spezifische Prägung, die aus den Verhältnissen vor Ort resultiert. Hier ist natürlich der bestimmende Faktor die ausgeprägte Kleinteiligkeit des Waldbesitzes und damit auch die entsprechenden Strukturprobleme bei der Bewirtschaftung. Des Weiteren ist auch der Strukturwandel in der Land- und Forstwirtschaft in der Region schon sehr weit fortgeschritten. Viele Waldbesitzer haben in ihrer Generation gar nicht mehr erlebt, dass ihr Wald bewirtschaftet worden ist. Sie sind zwar Eigentümer – allein oder in einer Erbengemeinschaft –, aber wissen nicht, dass man, wenn man Grund und Boden hat, auch dafür die Verantwortung tragen muss. Und genau da möchten wir ansetzen und diese Waldbesitzer, die oft ein großes Engagement für Natur und Wald haben, dazu motivieren sich ihrem Wald zu nähern.

Gleichzeitig möchten wir ihnen helfen, den Verpflichtungen nachzukommen, die aus diesem Eigentum resultieren – beispielsweise die Verkehrssicherungspflicht. Auch, wenn es um Eigentum und Eigentumsgemeinschaften geht. Wir helfen auch konkret bei der Bewirtschaftung. Wir haben Fortbildungsveranstaltungen und versuchen an praktischen Lehrbeispielen Informationen zu vermitteln.

Gibt es denn ein typisches Mitglied des Kreiswaldbauvereins oder ist das sehr divers?

Das ist divers, ein sehr aktueller Begriff! Es gibt kein typisches Mitglied. Es gibt einmal als objektives Kriterium den kleinen und großen Privatwaldbesitzer. Dann gibt es den Freund seines Waldes und des Waldes allgemein über den klein wirtschaftenden Kleinprivatwaldbesitzer und bis hin zu den wenigen Größeren. Diese haben wir auch bei uns, sie sind sehr wichtig, was das forstliche Geschehen angeht, und für sie wir dann auch das politische Sprachrohr nach außen sind.

Das heißt also der Kreiswaldbauverein ist wirklich für jeden was, für jeden der Wald besitzt interessant und nicht nur für die Größeren?

Ja, das ist es. Das ist die Zusammenführung aller Freunde, die gleich gepolt sind, sich mit ihrem Eigentum, dem Wald und der Natur verbunden fühlen.

Letzte Frage: Was erhoffen Sie sich aus dem LEADER-Projekt?

Einen Motivationsschub! Das Besondere an diesem Projekt ist für mich,  dass es im Bewusstsein der Bevölkerung und der Kommune angekommen ist, dass die zahlreichen Kleinprivatwaldbesitzer unsere Landschaft mitprägen. Diese sind aber in einer schwierigen Situation: zum einen strukturell, zum anderen augenscheinlich durch den Klimawandel mit dem Borkenkäfer und den Kalamitäten. Die dritte schwierige Situation ist die Rahmenbedingung bei der Holzvermarktung und die Forstamtsstrukturreform.

Dass es gelungen ist, diese Situation in das Bewusstsein der Kommunalpolitiker einzubringen, und dass man sagt, man sucht gemeinsam Wege, um den Wald, so ist wie er ist, mit den Waldbesitzern in seinen Funktionen zu erhalten.

Interview mit Dr. Gisela Born-Siebicke, Vorsitzende des Kreiswaldbauvereins Neuwied e.V.
[Das Interview wurde nachträglich gekürzt.]

«Viele Waldbesitzer haben in ihrer Generation gar nicht mehr erlebt, dass ihr Wald bewirtschaftet worden ist. […] Und genau da möchten wir auch ansetzen und diese Waldbesitzer, die oft ein großes Engagement für Natur und Wald haben, dazu zu motivieren sich ihrem Wald zu nähern.»

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